Dem Leben auf der Spur

  • Untertitel: Exkursion
Friedhofserkundung der Klasse 9D

Der Friedhof – für viele ein Ort des Schweigens, für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9D wurde er im Mai 2026 zu einem Ort des lebendigen Lernens. Im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichts setzte sich die Gruppe intensiv mit den Themen Tod, Bestattungskultur und der christlichen Hoffnung auf Auferstehung auseinander.

An drei Terminen (06.05., 13.05. und 20.05.) tauschten wir das Klassenzimmer gegen die ehrwürdigen Wege des Langenzenner Friedhofs.

Zu Beginn des Projekts näherten sich die Jugendlichen dem Gelände forschend an. In Kleingruppen bearbeiteten sie verschiedene Stationen, die den Friedhof als Spiegel unserer Gesellschaft und des Glaubens begreifbar machten:

  • Symbole auf Grabstätten: Von der klassischen Rose bis hin zu modernen Skulpturen – was verraten uns Zeichen über die Verstorbenen?
  • Flora und Fauna: Der Friedhof als ökologischer Rückzugsort und Symbol für Werden und Vergehen.
  • Grabtypen und Bestattungskultur: Ein Vergleich zwischen traditionellen Familiengräbern, Urnenstelen und neuen Bestattungsformen.
  • Christliche Texte und Bibelverse: Die Suche nach Trost und Hoffnung in Stein gemeißelt.
  • Alte Gräber – Frische Gräber: Ein Blick auf die Zeitgeschichte und den Wandel der Erinnerungskultur in unserer Heimatstadt.

9d friedhof 2

Der Höhepunkt des Projekts bildete die Begehung am 20. Mai. Wir hatten die Ehre, Herrn Kurt Friedrich Sellner auf dem Friedhof begrüßen zu dürfen. Als Ehrenvorsitzender des Heimatvereins Langenzenn, Mitglied des Kirchenvorstands und Träger der Goldenen Ehrenamtsnadel des Landkreises Fürth ist er ein profunder Kenner der lokalen Historie. Sein Wissen hat er unter anderem in seinem Werk über die „Friedhofskapelle zum Heiligen Kreuz“ (1621–2021) festgehalten.

9d friedhof 3


Urnengräberwand

Genau dorthin, in die besondere Atmosphäre der Friedhofskapelle, lud Herr Sellner die Gruppe zu einem Gespräch ein. Die Jugendlichen hatten viele Fragen im Gepäck, die Herr Sellner mit großer Begeisterung beantwortete. So interessierten sich die Schüler beispielsweise für die lokale Geschichte: Warum findet man in Langenzenn so auffallend viele Gräber von Sudetendeutschen? Und wie kam es eigentlich zur räumlichen Trennung zwischen dem städtischen und dem kirchlichen Friedhofsteil? Auch kuriose Fakten kamen nicht zu kurz, etwa die Frage, welche verstorbene Person auf dem Friedhof wohl das höchste Alter erreicht hatte.


Leichenhalle


Friedhofskapelle zum Heiligen Kreuz Langenzenn

Über die historischen Fakten hinaus ging es vor allem um die existenziellen Fragen des Lebens. Besonders eindrucksvoll war für die Schülerinnen und Schüler, wie Herr Sellner seinen persönlichen Glauben an die Auferstehung in die Runde einbrachte. Diese authentischen Einblicke machten das Thema greifbar und regten zu tiefem Nachdenken an.
Die Offenheit und Leidenschaft von Herrn Sellner machten diese Begegnung zu einem besonderen Erlebnis, das weit über den normalen Lehrplan hinausging. Wir danken ihm herzlich für seine Zeit und die wertvollen Impulse, die den Jugendlichen geholfen haben, diesen oft gemiedenen Ort mit neuen, hoffnungsvollen Augen zu sehen.

D. Böwe